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Registry Cleaner - wer braucht denn sowas?

  • Was machen „Registry Cleaner“ eigentlich?
  • Verursachen sie mehr Probleme als sie lösen?
  • Wollen die Verkäufer nur einen schnellen „T-€uro“ machen?

Vorsicht!

Spielen Sie nicht an der Registry (Registrierdatenbank) rum! Wenn Sie die Registry anfassen wollen, dann müssen Sie die folgenden Punkte mühelos beherrschen:

  • Neuaufsetzen des Betriebssystems
  • Einrichten der Internetverbindung
  • Neuinstallation aller Ihrer Programme
  • Wiederherstellung aller Ihrer Daten

All das muss für Sie geübte Praxis sein, falls Sie sich auf eine „Begegnung der unbekannten Art“ mit Ihrer Registry einlassen! Falls Sie ein System Image zur Verfügung haben, dann müssen Sie diesen Artikel bestimmt nicht lesen.

Was ist die Registry?

Nichts anderes als eine Datenbank. Eine sehr wichtige Datenbank für das Betriebssystem Windows. Hier finden Sie Informationen…

  • über die installierte Software
  • welches Programm benutzt werden soll, um bestimmte Dateien zu öffnen
  • persönliche Benutzereinstellungen
  • System-Hardware-Treiber
  • Betriebssystemeinstellungen
  • Programmeinstellungen
  • und anderes…

Unserer Ansicht nach ist es nicht wirklich angemessen, die Registry als einen „unentbehrlichen“ Bestandteil des Betriebssystems zu betrachten, denn es gibt eine Vielzahl von Programmen, die ohne Registrierung reibungslos laufen.

Kurze Geschichte

Als man die PCs noch aus Marmor und Feuerstein meißelte, und das legendäre DOS als Betriebssystem galt, verwaltete jedes einzelne installierte Programm seine Einstellungen in einer sog. „Ini“-Datei – oder etwas ähnlichem. Diese Ini-Dateien fanden sich im Stammordner des Programmes, eine oder sogar mehrere für jedes einzelne Programm, vollkommen verstreut auf der heimischen Festplatte. Einige systemweite Einstellungen wurden in zwei kleinen Dateien gespeichert – autoexec.bat und config.sys. Mit Windows 3.1 (und 3.11) kamen dann system.ini, win.ini, reg.dat, system.dat und die user.dat

Windows 95

Ta Taa! Die Registry erblickt das Licht der Welt. Sie findet sich nunmehr im Windows-Ordner, und eine user.dat für jeden Benutzer gibt’s im Profile-Ordner des jeweiligen Benutzers. Das ist nun das offizielle Ende wild verteilter Dateien auf der Festplatte.

Als Registry Cleaner nützlich waren…

Windows 95 und die Betriebssysteme NT, Windows 2000, ME laden jeweils die komplette Registry in den Arbeitsspeicher – ganz egal, ob das betreffende Programm gerade benutzt wird oder nicht. Beides – das Laden der Datei in den Arbeitsspeicher und das Vorhalten im Arbeitsspeicher beansprucht erhebliche Systemresourcen, d.h. die Startzeit – das „Booten“ – verlängert sich und damals knapper Arbeitsspeicher steht für andere Programme nicht mehr zur Verfügung. Berücksichtigt man nun noch, dass die Hardware zu jener Zeit nicht besonders schnell war, so ist klar, dass das regelmäßige Aufräumen der Registry etwas war, was Ihnen zu einer schnell(er)en Maschine verhalf. Damals.

Windows XP, Vista, Windows 7

Die Registry ist immer noch da, aber die Verwaltung des Arbeitsspeichers ist nun erheblich besser. Nun werden nur noch die Teile der Registry geladen, die auch tatsächlich gebraucht werden. Das bedeutet ganz schlicht, dass das Aufräumen der Registry, die Verwendung eines Registry Cleaners, so gut wie keinen Effekt auf die Systemleistung hat.

Was soll ein Registry Cleaner eigentlich machen?

Viele Aktivitäten auf Ihrem Rechner – z.B. das Installieren von Programmen – erzeugen Einträge (Schlüssel, Keys) in der Registry, manchmal Tausende. Die Programme finden hier Einstellungen, Standardordner und Dateiverknüpfungen usw. Wenn Sie nun eine bestimmte Software nicht mehr benutzen und deinstallieren, so bleiben in aller Regel alle, viele oder auch nur einige wenige Einträge zurück. Diese zeigen nun exakt auf ganz genau Garnichts. Das sind sog. „verwaiste Schlüssel“ (orphaned keys), denn die enthaltene Information ist ja nicht länger nützlich, da Sie die Software deinstalliert haben. Sie belegen ein bisschen Platz auf der Festplatte. Ein Registry Cleaner versucht nun, genau diese Einträge (Schlüssel) zu finden und löscht sie dann, um „die Systemleistung zu verbessern“.

Was ist das Problem?

Nun, wahrscheinlich können Sie keine sachkundige Entscheidung treffen, welcher Eintrag (Schlüssel) überflüssig ist und welcher noch gebraucht wird. Wenn Sie verschiedene Registry Cleaner Ihr System „reinigen“ lassen, dann werden Sie sehr wahrscheinlich verschiedene Empfehlungen erhalten. Manche finden weniger, manche mehr, manche andere Einträge, die dann zur Löschung vorgeschlagen werden. Das hängt nun davon ab, ob Sie einen „aggressiven“ oder einen „vorsichtigen“ Registry Cleaner einsetzen. Der erste schmeißt raus, was nicht „niet- und nagelfest“ ist, der letzte ist da eher schüchtern, hinterlässt aber jede Menge Einträge, nur zur Sicherheit.

Der eine benötigte Eintrag in der Registry

Schauen wir uns mal folgende Situation an. Ihre Registry ist voll mit alten, überflüssigen Einträgen und belegt damit ein bisschen Festplattenplatz. Unter den 356 veralteten Einträgen befindet sich allerdings einer, der von Ihrem Cleaner irrtümlich als überflüssig angezeigt wird. Diesen einen wichtigen finden Sie allerdings nicht, es sei denn Sie überprüfen jeden einzelnen Eintrag und Sie verfügen über das hier benötigte Detailwissen, um diese Entscheidung richtig zu treffen.

Sie aber bestätigen nun das Löschen all dieser Einträge, und das hier einsetzende Elend, das durch den Verlust dieses einen wichtigen Eintrags entsteht, steht in keinem Verhältnis zu den nicht vorhandenen Vorteilen, die Ihnen das Aufräumen der Registry ja gar nicht erst bringt.

Verbessern Registry Cleaner die Systemleistung?

Diese Einträge, um die sich Registry Cleaner ja erklärtermaßen kümmern, diese Einträge, die angeblich Ihren Rechner verlangsamen und den ganzen Arbeitsspeicher belegen, diese Einträge werden schlichtweg von der Arbeitsspeicherverwaltung Ihres Betriebssystems (Windows XP, Vista, 7) ignoriert. Sie werden gar nicht erst in den Arbeitsspeicher geladen, und selbst wenn, wäre das völlig bedeutungslos – eine Feld, Wald und Wiesenmaschine hat heute leicht zwei Gigabyte Arbeitsspeicher (RAM) und mehr.

Ein zweites ehemaliges Argument für Registry Cleaner ist den Herstellern dieser Software gleichfalls abhanden gekommen: die Verschwendung von teurem Festplattenplatz. Mein erster Rechner hatte damals in der Marmor und Feuersteinzeit eine externe Festplatte mit fünf (5) Megabyte, aber wenn Sie heute einen Rechner kaufen, dann hat der leicht 500 Gigabyte – das sind 500.000 mal mehr! Es macht also nicht wirklich was, ob Ihre Registry ein oder zwei Kilobyte kleiner ist oder ob sie gar die doppelte Größe hat – auf meinem heutigen Rechner wäre das immer noch weniger als 100 Megabyte.

Wie benutzen Sie denn Ihre Kiste?

Mal angenommen: Sie nutzen Ihren Rechner für Routineaufgaben. Da ist so ziemlich immer noch dasselbe drauf wie am Anfang, als Sie fertig waren mit dem Installieren von Betriebssystem und Programmen. Und gelegentlich, da installieren Sie auch mal eine neue Software, zum Testen, und dann deinstallieren Sie sie wieder. Na ja, dann ist sowieso nicht so viel los in Ihrer Registry –lassen Sie sie doch einfach in Ruhe.

Und was ist mit dem Deinstallieren?

Nach dem Deinstallieren bleibt jede Menge an Überflüssigem in der Registry. Gerade darum wollen sich ja die Registry Cleaner kümmern. Aber es bleiben leider nicht nur Registry Keys übrig, sondern häufig auch der Programmordner, Profile-Ordner und manchmal sogar Dateileichen. Um also eine Deinstallation ordentlich durchzuführen, brauchen Sie einen guten „Uninstaller“ – keinen Registry Cleaner. Wenn der Uninstaller, der eigentlich mit jedem Programm heute kommen sollte, nicht Ihr Vertrauen genießt oder schlichtweg fehlt, dann schauen Sie doch einfach mal ? hier nach.

Fazit

Registry Cleanern wird nun schon seit Jahren immer der gleiche Nutzen zugeschrieben: das System läuft schneller, besser, stabiler. Den Nachweis hierfür bleiben die Hersteller allerdings schuldig. Bitte vertrauen Sie nicht auf Äußerungen wie: „Ohne Registry Cleaner wird meine Maschine merkbar langsamer.“ Was heißt denn das? Wie wurde das gemessen? Ist die „gefühlte“ Geschwindigkeit langsamer, wenn wir ungeduldig darauf warten, dass die Maschine endlich startet? Warum finden sich denn im Netz keine nachvollziehbaren, unabhängigen Testergebnisse?

Die Antwort hier ist einfach: jeder Test würde vermutlich eindeutig zeigen, dass „ein Schnupfen unbehandelt sieben Tage anhält, aber wenn man zum Arzt geht, nur eine Woche!“

Aktualisiert: Montag, den 21. Februar 2011 um 21:12 Uhr

1 Kommentar

  • Kommentar Link Freitag, den 01. Juli 2011 um 10:53 Uhr von s.normal

    Danke für den Überblick.
    Habe den Reqistry Cleanern schon lange nicht geglaubt.

    Jetzt habe ich Gewissheit.

    Vielen Dank dafür.

    Grüße
    s.normal

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